Veröffentlicht in Bemerkt, gefällt mir, gegenwärtig, Glück für mich

Lebenseinstellung


Ich muss wirtschaftlich arbeiten im Bezug auf die Ressource Zeit. Deshalb hier mal einige Ausschnitte aus einem Brief von mir…

„Was meine Lebenseinstellung betrifft…. ich kann es nicht genau beantworten.

Als ich im Oktober/November 2014 nichts mehr gehört habe, ich stand kurz vor einem Hörsturz haben die Ärzte gesagt und ich in meinem Bett lag und wirklich dachte ich muss sterben, weil ich Phantasiegebilde gesehen und gehört habe, dachte ich es ist vorbei. Ich bin ein Fall für die Klapse.

Ich habe mich für den Schritt weg von der Juristerei entschieden. Ich wollte nichts mehr damit zu tun haben. Hatte sie mich doch kaputt gemacht (dabei war ich es selbst, durch mein perfektionisisches Verhalten). Ich habe einen Monat nichts getan und mich in dieser Zeit nach Alternativen gefragt. Daraus wurde dann die Wohnungssache. Ich hatte mich um Praktika beworben, hatte mich um Ausbildung beworben, war auf der Messe, um dem potentiellen Arbeitgeber Fragen zu stellen. Dann fanden sie mich so gut, haben mich eingestellt. Ich konnte nicht „Nein“ sagen und schwups war ich wieder doppelt belastet mit Uni (was bedeutet weit zu fahren und dort drei Tage zu sein) und Arbeit (die zwei Tage der restlichen Woche in der Heimat).

Schon am ersten Tag habe ich zu Hause gesessen und geheult. Ich war dermaßen unglücklich in dieser Firma. Die Menschen waren alle unzufrieden in ihrem Job, sie haben mich ständig gefragt was ich hier will, dass ich hier keine Chancen hätte aufzusteigen und mit einem Juraabschluss lieber fix was anderes machen solle. Sie waren so negativ eingestellt bzgl. dem Leben, ihrem Job, dem Arbeitgeber, falsch und oberflächlich. Eine, wesentlich jünger als ich, aus der Finanzabteilung wollte mir vorschlagen wie ich am besten lerne, als ich meinte, dass ich immer noch nicht angefangen hätte. Sie war auch diejenige, die meinte für das Müllsortieren gäbe es doch Leute, die das machen, dann müsste es in der Firma (wohlgemerkt ein Büro!!) keine unterschiedlichen Abfallbehälter geben, um den Müll zu sortieren. Die Arbeit dort hat mich nicht ausgefüllt.

Einzig der Kontakt mit den Mietern oder potentiellen Mietern hat mich erfüllt. Ich war gern bereit für eine nicht deutsch sprechende Frau etwas für das Amt zu formulieren, damit sie ihr die Wohnung genehmigen, die sie unbedingt wollte. Ich habe gern für den Vater eines Jungen recherchiert, ob nun der Studiengang in der einen oder anderen Stadt ist, damit er weiß, ob er sich bei uns eine Wohnung nehmen kann usw.
Meine Mitarbeiter haben immer gesagt, das müsse ich nicht tun und ich solle das auch nicht tun. Mich hat es aber erfüllt. Und auch die Arbeit bei der Tafel. Es gab sicher auch schwere Situationen, wenn einer geklaut hat, mich eklig angegafft oder sogar auf Englisch beschimpft. Aber auf der anderen Seite so viel Dankbarkeit und Freude und diese Blicke der Dankbarkeit gehen so tief in mein Herz, weil ich es selbst so gut nachvollziehen kann.

In jedem Fall habe ich mich in dem letzten Jahr ganz viel selbst gefragt. Was will ich? Was macht mich glücklich? Was macht mich unglücklich, raubt mir Energie und Kraft? Was trage ich selbst dazu bei, dass ich un/glücklich bin? Dass ich mein Leben genießen kann, dass ich positiv eingestellt bin? Was kostet mich Kraft? Wozu brauche ich Kraft, wofür will ich Kraft aufwenden? Wer tut mir gut, wer nicht? u.s.w. Ich habe ganz viele Youtube Videos geschaut von Persönlichkeitscoachs, von Rohköstlern, Sportlern.

Ich habe ganz bewusst ganz viel aus meinem persönlichen Besitz weggeben, dabei wenig verkauft. Eher verschenkt. In die Nehmen und Geben Box, in Mamas Gemeinde, ich habe auf Ebay Kleinanzeigen verschenkt. Wenn ich etwas verkauft habe, habe ich viel dazu geschenkt. Weihnachten hat Punkt aus seinem Spielzeug etwas für andere Kinder aussortiert und wir haben es verschenkt. Ich bin dadurch leichter, freier, glücklicher geworden.

Ich habe keinen Kleiderschrank mehr. Eine Schublade mit normalen Sachen, eine Schublade mit Sportsachen. Ich habe meine Küche auf das Mindestmaß an Geschirr reduziert. Ein Schrank mit den Maßen 40×60 cm reicht aus. Alles andere sind Vorräte. Ich gehe viel bewusster mit den Dingen um, die ich besitze. Ich repariere, anstatt neu zu kaufen, leihe anstatt neu zu kaufen, verleihe natürlich auch gern.

Bei der Tafel hat der überregionale Chef gefragt, ob ich die Anwältin der Tafel werde möchte. Das war wohl eher eine flapsig gestellte Frage, aber hat in mir viel ausgelöst. Hat mir gezeigt ich könnte mit der Juristerei etwas tun was mich glücklich macht. Hat mir gezeigt, dass ich das große Glück hatte/habe lernen zu könne, zu dürfen und vor allem auch die nötigen Voraussetzungen mitbringe. Ich habe dann einen Brief geschrieben (mit Hilfe meines besten Freundes, er ist Journalist) an potentielle Spender (von Lebensmitteln). Wir hatten in der Tafel irgendwann zu wenige Lebensmittel (auch aufgrund der vermehrten Anmeldungen durch geflüchtete Menschen). Der Chef hat unterschrieben und ich habe die Briefe abgesendet. Einer hat sich zurückgemeldet und die anderen habe ich dann später angerufen und nachgefragt. Und so haben wir fünf große und kleinere Lebensmittelmärkte für die Tafel gewinnen können. Irgendwann hat dann noch ein riesiges Lebensmittelimperium hier in der Gegend angerufen (mein Chef war jahrelang dran, er hat immer abgelehnt, bzw. sich nicht gemeldet und seine Reste verbrannt oder als Tierfutter verkauft). Der hat angerufen und jetzt beliefert er uns mit den besten Waren und das in einer Menge, dass wir anderen Tafeln etwas abgeben können. Ich bin unheimlich stolz und glücklich soetwas geschafft zu haben. Und das hat mir gezeigt, dass es das ist was ich machen will.

Menschen helfen. Vorurteilsfrei den Menschen gegenübertreten. Mich in sie hineinversetzen kann ich meistens gut, zuhören kann ich auch gut, ich verstehe oft intuitiv was in den Menschen vorgeht. Ich kann ziemlich gut objektiv erkennen welche Muster sie haben (wenn ich sie besser kenne) und Lösungen kommen mir auch oft in den Sinn.

Das wollte ich für mich selber aber auch lernen. Was nützt es nur bei anderen Menschen zu erkennen. Ich bin mir doch der nächste Mensch in meinem Leben und das lebe ich ja nur einmal.

Ich habe viele Menschen kennengelernt. Und ich habe mich immer schneller gefragt: passt dieser Mensch zu mir? Will ich den in meinem Leben wirklich haben? Ich habe früher so oft nicht „nein“ sagen können. Habe mich bis zur Selbstaufgabe für jemanden aufgeopfert ohne meine Bedürfnisse zu berücksichtigen. Wahrscheinlich musste ich so krank werden. Zwischen den Jahren 2013 /2014 musste ich zum MRT (davor hatte ich fürchterliche Angst und es ging nur mit Beruhigungsmitteln), weil es so aussah als hätte ich einen Tumor im Kopf. In der Zeit bis zum Termin habe ich auch schon reflektiert, aber noch sehr negativ und auch leidlich. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich einfach nur stolz. (Auch das konnte ich früher nie. Stolz auf mich selbst zu sein, ging einfach nicht)…

Um mal zum Schluss zu kommen, es ist ein Prozess, der mit Sicherheit noch nicht abgeschlossen ist und der mit Sicherheit ganz viel mit der Geburt von Punkt.  zu tun hat (und auch mit der einhergehenden Trennung von seinem Vater). Es wird aber auch sicher irgendwas mit meiner Kindheit zu tun haben (da liegt ja meist der Ursprung)… keine Ahnung. “

Die Frage war, wie ich auf meine Lebenseinstellung gekommen bin? Ob es ein auslösendes Ereignis gab.

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