Veröffentlicht in gefällt mir, gegenwärtig, Glück für mich, lustig, Zukunft

1. Trimester meiner zweiten Schwangerschaft


Seit ungefähr drei Monaten verfolge ich die Schwangerschaftsupdatevideos einiger Damen auf Youtube. Und ich finde sie toll. Irgendwie fühle ich mich gleich dazugehörig und verstanden. So langsam wird mir allerdings bewusst, dass, während die Damen jede Woche ihre Gedanken, Gelüste und Gefühle festhalten, ich nur so vor mich hinlebe und gar nichts festhalte. Das ändere ich heute.

Die Entscheidung

Die Entscheidung für ein zweites Kind, habe ich mit der Entscheidung meinen Liebsten zum Partner zu nehmen, getroffen. Ich weiß seit über drei Jahren, dass er sich ein eigenes Kind wünscht. Während ich allerdings kurz nach der Geburt und der ersten Zeit allein mit Punkt, nicht noch ein Kind wollte, hat sich das mit der Zeit geändert. Wir sprachen im Vorfeld sehr viel und ausgiebig. Wir sprachen über einen günstigen Zeitpunkt, verwarfen alles wieder, verschoben es, bis wir uns irgendwann in den Armen lagen und meinten: warum nicht jetzt? Was soll besser sein in einigen Jahren?

Der positive Schwangerschaftstest

Wir waren gerade in die gemeinsame Wohnung gezogen, alles war noch beengt, weil sich jeder Raum, bis auf die Küche, im Bauzustand befand. Zuvor wohnten wir zwei Wochen lang zu dritt im 12 Qm-WG-Zimmer meines Freundes, weil meine Einzimmerwohnung, die ich zur Zwischenmiete bezogen hatte, bereits abgegeben war. Unsere Nerven waren angespannt und wir erschöpft und sehr müde von den Umzugstagen. Mein Schwangerschaftstest lag in einem Karton und ich entschloss mich spontan, auf eigene Faust und allein für mich, den Test, kurz vor Mitternacht und einen Tag zu früh, zu benutzen. Ich hatte sowieso nicht das Gefühl, dass es bei all dem Stress geklappt hatte und ich wollte Gewissheit darüber haben. Zwei Tage zuvor zeigte ein Ultrafrühtest „negativ“ an, meine Laune war sowieso im Keller.
Ich befolgte die Anweisung vom Test, legte ihn neben mich und schlüpfte ins Bett. Mein Liebster schlief schon fast und auch ich wollte nichts lieber als das. Ein letzter Blick, mit dem schwachen Licht meines Handys auf den Test… und mein Herz pochte bis zum Himmel. Vor zwei Tagen war nur ein Strich zu sehen, heute ganz schwach ein zweiter. Oder? Ich schaltete die Taschenlampe ein. Ja! Schwach, aber definitiv! Ein zweiter Strich!
Ich zog meinem Liebsten an der Schulter, unfähig was zu sagen, einen Kloß im Hals, eins der fettesten Grinsen im Gesicht und hielt ihm den Test im Halbdunkeln hin. Irgendwas von „Da, zwei Striche. Das war vorgestern nicht. Ich bin schwanger. Es hat geklappt. Glaub mir“ brabbelte ich. Er riss die Augen auf und grinste über beide Ohren.
Die Nacht wurde kurz.

Die ersten zwei Wochen

Ich war überglücklich. Es war so unwirklich und wie auf Wolken. Die ersten zwei Wochen fühlte sich alles leicht und fedrig an. Ich war schwanger und mein Liebster sah mich immer mit diesem besonderen Blick an. Strahlend, glücklich, klar. Öfter blickten wir uns an und schüttelten zart den Kopf, weil wir es nicht glauben konnten. Dann nahm er meine Hand und wir schwangen vor und zurück und liefen beschwingt des Weges…

Die Zeit bis zur 12. Schwangerschaftswoche

Und dann begann sie. Die Übelkeit. Morgens, am frühen Nachmittag, abends, nachts. Mir war immer übel. Und ich hatte Hunger. Regelmäßig. Aber keinen Appetit. Mein Blutzuckerspiegel ging ständig in den Keller und ich begann damit kleinere Portionen mit mir herumzuschleppen. Am Bett lag eine Dose mit Obst, auf dem Schreibtisch. Zur Arbeit nahm ich Apfelscheiben mit, die ich bei jeder Gelegenheit aß.
Ich hatte phasenweise nur Appetit auf einzelne Lebensmittel. Erst konnte ich nur Mango vertragen. Mein Liebster holte eine ganze Kiste. Dann kam eine Zeit, in der nur Orangen funktionierten und jetzt sind es Lychees. Für jede andere Mahlzeit musste ich mir sehr viel Zeit nehmen und mich richtig konzentrieren. Ich war und bin immer die Letzte, die noch isst und oft lasse ich den halben Teller stehen.
Ich kann nicht lange auf den Beinen sein, ohne dass mir schwach zumute wird. Ohne Riegel oder Banane und ausreichend Wasser verlasse ich nicht mehr das Haus. Und wenn keine Toilette an meinem Zielort ist, überlege ich mir die Unternehmung zweimal.
Yoga und baden tut mir gerade unheimlich gut. Da unser warmes Wasser über Strom läuft, wird es vermutlich eine große Nachzahlung in diesem Jahr geben.

Punkt zu Knöpfchen

Punkt freut sich auf sein Geschwisterchen. Am Abend singt er fast flüsternd ein Lied an meinem Bauchnabel und vor dem Einschlafen stellt er gefühlt hundert Fragen. Sowieso stellt er viele Fragen. Beim Aufwachen fragt er, ob das Geschwisterchen auch wach ist oder noch schlafen will. Wenn wir uns streiten, erinnert er mich an das Baby, dass doch nicht solchen Krach mitkriegen soll und wenn ich was Süßes esse (was äußerst selten vorkommt) sagt er: „Mama, gib‘ dem Baby doch keinen Zucker.“

Als ich ihm erzählt habe, dass er im Sommer ein großer Bruder wird, lief das folgendermaßen ab:
„Das würde ja bedeuten, dass du schon ein Baby im Bauch hast?!“
„Das habe ich auch. Allerdings noch sehr klein.“
„Dann müsstest du mit ‚meinem Liebsten‘ ja schon ein Baby gemacht haben?!“
„Das haben wir.“
„Das glaube ich dir nicht.“
Ich war verblüfft. Diesen Satz kannte ich von Punkt nicht. Er hatte ihn zuvor nie gesagt.
„Warum nicht?“
„Das glaub‘ ich einfach nicht.“
„Na gut.“
Dann warf er sich in sein Bett, auf dem er zuvor saß und wollte, dass ich ihm ganz normal die Geschichte vorlese. Das tat ich.
In den nächsten Tagen war mir ständig schlecht und ich kroch mehr durch die Wohnung, als dass ich lief und mein Liebster brachte und holte Punkt jeden Tag vom Kindergarten. Punkt erkundigte sich was mit mir los sei und als ich meinte, dass es manchen Frauen in der Schwangerschaft so ginge, glaubte er mir weiterhin nicht.
„Aber du bist doch gar nicht schwanger?“
„Doch. Ich habe bereits ein kleines Baby im Bauch. Und wenn man soetwas Süßes da drin hat, ist man schwanger.“
Irgendwann stand der erste Termin beim Arzt an und ich überraschte ihn mit einem Ultraschallbild. Auf dem war so gut wie nichts zu erkennen.
„Na Mama jetzt glaube ich dir. Dein Bauch* ist ja auch schon dicker geworden.“
Er drehte sich auf dem Absatz um und packte das Bild in seine Wunderkiste, zu all seinen Schätzen.

*Ich hatte den Abend zuvor ausnahmsweise eine Menge gegessen. Mein Bauch war dementsprechend „dick“. :-D

Advertisements

11 Kommentare zu „1. Trimester meiner zweiten Schwangerschaft

    1. Liebe Sweetkoffie,
      ja, ich fühle mich wie auf einer rasanten Kutschfahrt im Sommer. Ein leichter Wind weht um meine Nase und die Leute jubeln im Vorbeifahren.
      Allerdings sollte ich vielleicht den Rückwärtplatz gegen einen in Fahrtrichtung wechseln?! Dann wäre mir nicht mehr so übel ;-)

      Danke für deine Nachricht.
      Liebe Grüße von Summe

      Gefällt 1 Person

  1. Liebe Summer, das sind wirklich wunderbare Nachrichten!! Ich freu mich sehr, sehr, sehr für Euch – vor allem, nachdem Du Eure Liebesgeschichte einst aufschriebst und sich nun einmal mehr zeigt: Liebe ist und bleibt einfach etwas Wunderbares. Es ist so schön zu „sehen“, wie Ihr miteinander umgeht, wie Ihr einander beschützt und unterstützt, dass manchmal tatsächlich einfach auch alles gut und schön sein kann so wie es ist.

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Helma, danke für deine liebe Nachricht. Ich freue mich einmal mehr über dein Zeichen. So weiß ich, dass du mal wieder hier warst.
      Ich staune täglich über das Glück, welches mir zuteil wird. Und ich bin so dankbar :-)

      Gefällt mir

  2. Liebe Summer, ich wollte Dich schon wegen unerlaubter Abwesenheit „abmahnen“ und habe immer wieder überlegt, was die Ursache sein könnte. Und nun, wo die „Katze aus dem Sack ist“, bin ich einfach sprachlos! Was soll ich denken, was sagen, was soll ich tippen? Trotz meiner momentanten Sprachlosigkeit, freue ich mich unwahrscheinlich für Dich, für Punkt und für Deinen liebevollen Partner! YDu „Wir sprachen über einen günstigen Zeitpunkt, verwarfen alles wieder, verschoben es, bis wir uns irgendwann in den Armen lagen und meinten: warum nicht jetzt? Was soll besser sein in einigen Jahren?“ Ich verbeuge mich vor Dir so tief wie ich nur kann ( mein Kreuz, wenn Du weißt, was ich meine ) schwenke für den Dich den prächtigsten Hut, den ich gerade auftreiben konnte, was gar nicht so einfach ist, da ich Dir ganz nebenbei ganz fest die Daumen halte und wünsche Dir alles Glück auf Erden, das sich auftreiben lässt … Ganz ehrlich? Nach dem Lesen Deines wunderschönen Beitrags wurde mir ganz warm ums Herz! ;-)

    Gefällt 1 Person

    1. Und mir hat deine so liebe Nachricht Wärme gebracht und ein breites Lächeln. Mein Tag startet somit hervorragend.
      Und ein klitzekleines Geheimnis kann ich dir schon andeuten: etwas wird sich hier ändern. Das ist ja klar. So mit einem großen Punkt und einem kleinen Köpfchen. Was es sein wird?! Geduld ;-)

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Summer,
    ich bin so selten auf meinem Blog, so selten im Reader, ich habe das nicht mitbekommen.
    Nun ist es zwar etwas spät, aber ja noch nicht zu spät: Alles, alles Liebe und Gute zur zweiten Schwangerschaft! Das freut mich so für dich nach all dem Kummer in den letzten Jahren!

    Und mit Glück, da werden wir in diesem Jahr noch gemeinsam schwanger sein. So ist es zumindest geplant.

    Ganz liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s